"Aca & Pella" geben in Erbach die richtigen Töne an

NNP, 23.05.2008

Bad Camberg-Erbach. Mit der Auswahl der Sänger für die Auftaktveranstaltung zu den Festtagen anlässlich des 160jährigen Bestehens bewies der Gesangverein "Frohsinn" ein glückliches Händchen: Der Boden bebte, "Aca & Pella" sorgten für ein volles Zelt und schon nach den ersten Tönen für richtig gute Stimmung. Der Mainzer Humorchor überzeugte gut zwei Stunden lang mit vokalistischem Können, Wortwitz und besonders Frontmann Tobias Mann mit herrlicher Mimik und vollem körperlichem Einsatz. Die sechs Jungs hatten "ein paar schöne Stücke" mit nach Erbach gebracht und zeigten, dass sie sowohl Robbie Williams als auch die 80er drauf haben; gefielen mit genial umgesetzten Coversongs und witzigen Eigenkompositionen die fast vergessen ließen, wie viel Disziplin und Können dahinter steckt.

Schon beim ersten Song hatten "Aca & Pella" das Publikum auf ihrer Seite, "Let me entertain you" war hier gleichzeitig Programm. Das heißt eigentlich "Tonangeber", weil die Sänger massig Töne anzugeben haben, völlig ohne Instrumente auskommen und neben "relativ komplizierter Melodiestruktur" ("Happy Birthday für den Frohsinn") besonders den anspruchsvollen Texten frönen. So blieb denn weder beim eingepfiffenen "ich wollte aufhören zu wohnen"-Ikea Song, noch beim Therapiesong für Bariton Andreas "Andy" Bruno Kurz, der seine Bühnenangst dank des Erbacher Publikums dann doch noch überwand, kein Auge trocken. Es folgten "Lied-Strich", "Klischee - wie schee", mit "Hypochonder" ein herrlich komödiantisch umgesetzter Song über eine typische Männerkrankheit und ein Song über die Uelversheimer, weil die gibt's ja überall. Die Gäste der Auftaktveranstaltung wissen jetzt, dass alle Uelversheimer humpeln, dass das Sextett dem Beispiel von Britney Spears folgend auf der Bühne keine Unterwäsche trägt und sich aus einer Selbsthilfegruppe für von Frauen misshandelter Männer gegründet hat.

Fruchtbar und herrlich umgesetzt waren auch die Ergebnisse der Zusammenarbeit zwischen Karel Gott, Lionel Richie und Herbert Bonewitz, "schunkele" hieß es beim denglischen "Meenzer Englisch Blues", und sogar vor einem gesanglichen Ratespiel machten sie nicht halt.

Für die Kinder im Saal hatte die Vokal-Gruppe eine Warnung mitgebracht - von Alkopops wird man dumm "wie drei Meter Feldweg", bevor dann die intellektuelle Kost serviert wurde: das Blitzmusical aus der blauen Periode, "flieg nicht so hoch mein kleiner Freund" von Nicole (schön blond: Tenor Ulrich Schneider) und dem später toten Star (Martin "Rudolfo" Heininger, der, der alles singt, was übrig bleibt).

Zum Ende sangen die Sänger den gastgebenden Kollegen vom "Frohsinn" aus Erbach mit "Sänger können länger.." sicher aus der Seele, ließen Frank Sinatra auferstehen, ernteten für einen gelungenen Abend und die lautmalerisch interpretierte Ode an die Installateursinnung stehende Ovationen und zeigten noch einmal ihr ganzes Können beim dritten fast ganz ernsthaften Abschiedslied- "O, Abschied tut weh". (von Andrea Dawirs-Dorn)

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