Außergewöhnliches Konzert mit "Alleluia, roten Rosen und Mercy"

NNP, 17.05.2008

Hadamar. Ein etwas außergewöhnlich erscheinendes Motto hatte sich das Vokalenssemble "Chanterelle" Hadamar für sein Konzert im Festsaal des Zentrums für soziale Psychiatrie am Mönchberg ausgesucht: "Alleluia - Rote Rosen - Mercy". Doch bei der Begrüßung der ansehnlichen Besucherzahl ging Vorsitzender Markus Hilfrich auf den Hintergedanken des Konzertitels ein.

Nicht nur das auf Pfingsten gerichtete liturgische Halleluja mit der Sendung des Heiligen Geistes und der Aussendung der Apostel mit dem Zeichen "Liebe" (Rote Rosen) könnten da eingeschlossen sein, auch die Gnade als Christ mit der Aussicht auf das himmlische Paradies. Wie dem auch sei, ein kecker Einfall war es trotzdem. Und das an einem herrlichen Maientag, in dem der Duft der Flieder bis in äußerste Ecke des Saales drang.

Nach der Begrüßung der Gäste, darunter der Vorsitzende der Hadamarer Kulturvereinigung, Heinz Valentin, sowie die beiden Sängerkreisvorsitzende, Limburg und Oberlahn, Gerhard Voss und Edmund Faust, war dann die Bühne für den kleinen Chor der "Cäcilia" Lindenholzhausen frei, der einen ganzen Block hochwertiger geistlicher Literatur anzubieten hatte. Das siebenstimmige "Ave Maria" von Franz Biebl, in der Struktur ganz auf die Gregorianik ausgerichtet, ragte da besonders heraus. Dirigent Matthias Schmidt, der mit diesem Chor zu den Preisträgern beim Hessischen Chorwettbewerb (2005) zählte, erwies sich erneut als leistungsorientiertes Ensemble mit klangvollem Stimmenmaterial. Dass Matthias Schmidt ein durchkomponiertes "Alleluia" des Amerikaners Randall Thompson aufgriff, traf nicht nur das Thema, sondern offenbarte gleichzeitig wie der Jubel- oder Dankruf in der Literatur im Sinne des geistlichen Liedes mit allen Stil- und dynamischen Mitteln eingesetzt werden kann. Und das sehr wirkungsreich.

"Chanterelle" Hadamar als gastgebender Chor überzeugte mit seinen 18 Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Christoph Hilfrich in einem schönen Klangbild, das nicht nur auf neu einstudierte Stücke aus dem englischen Sprachraum eingestellt war, sondern auch dem deutschen Volks-und Kunstlied die nötige Farbe verlieh. Im "Wade in the Water" im Satz von Theron Kirk sowie im Song "All my Trials" entfalteten Silke Hensel und Silke Liesenfeld in Solopartien ihre stimmschönen Eigenschaften. Dass dem Ensemble natürlich das Madrigalsingen im altenglischen Stil viel Freude bereitet, merkte man beim "See, See the Shepheds’ Queen" von Thomas Tomkins. Die fast zungenbrechenden Passagen waren von besonderer Wirkung gezeichnet. Dann der "Kuckuck", passend zur Maienzeit, mit einfallsreicher Manier von Alfred Koerppen, oder das virtuos und kokett vorgetragene Volkslied "Zum Tanze, da geht ein Mädel" im Satz von Georg Hilfrich.

Ein weiterer gern gesehener und gehörter Gastchor mit enormer Leistungsstärke war der Dritte im Bunde des Hadamarer Pfingstsingens: Der MGV "Frohsinn" Erbach unter der musikalischen Führung von Dr. Georg Hilfrich. Aus seiner Feder erklangen zunächst zwei Spirituals "Lord, I want to be a Christian" und "Herr, die Sonne meines Lebens". Dr. Georg Hilfrich kann auf kerniges Männerstimmenmaterial zurückgreifen. Ein Grund mehr, den in diesem Jahr 160 Lenze zählenden Chor mit bewährter Literatur aus dem Männerchorwesen zu betrauen, wozu der "Vorspruch" (Waldemar Klink), "Wo die roten Rosen blühen" von Hans Lingerhand und "O du schöner Rosengarten" von Kurt Lissmann zählten. Nach der Pause begeisterte der "Frohsinn" mit weiteren Kostbarkeiten im Sinne der publikumswirksamen Männerchorgesänge. Stellvertretend seien hier der "Tamboursgesell" (Fritz Lubrich) sowie "Wir kamen einst von Piemont" (Wilhelm Heinrich) genannt.

Swingend und duftig ging es weiter mit dem Kammerchor "Chanterelle" mit einer Auswahl Titel aus dem Popbereich. Aber auch der wunderschöne "Lerchengesang" von Mendelssohn-Bartholdy verfehlte seine Wirkung in einer anderen Aufstellungsposition keineswegs. Und mit dem poppigen "Mercy, Mercy, Mercy" im Arrangement von Markus Poschner traf er erneut das Leitthema.

Den imponierenden Abschluss besorgte der kleine Chor der "Cäcilia" Lindenholzhausen mit einer Reihe anspruchsvoller wie wirkungsstarker Vorträge, die mit dem Werk "Crucifixon" von Winfried Siegler ihren Höhepunkt erfuhren. Ohne Zugabe kamen die Lindenholzhäuser Sänger nicht von der Bühne. (von Willibald Schenk)

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