Musik voll wohltuender Leichtigkeit

NNP, 13.11.2009

Bad Camberg-Erbach. Bunt gemischt wie das Herbstlaub waren auch die beschwingten Melodien des Konzertprogramms: Unter dem Motto «Sing & Swing» hatte der Gesangverein Frohsinn Erbach in die Erlenbachhalle eingeladen.

Im Mittelpunkt des Konzertes standen zwei besondere Musiker; auf der einen Seite der österreichische Lorenz Maierhofer aus der Steiermark, der bis heute eine Musik von großer stilistischer Breite komponiert hat, die unmittelbar ins Ohr geht und die die Menschen verstehen. Darüber hinaus hat er als Initiator vieler Projekte in der Musikpädagogik Akzente gesetzt. Auf der anderen Seite steht Dr. Georg Hilfrich, der, dem Komponisten freundschaftlich verbunden, mit seinen Chören an diesem Abend viele dieser Tonsätze in Klänge umsetzen konnte. Als musikalisch Leiter des GV Frohsinn Erbach und des Gemischten Chores Liederkranz Oberselters dirigiert und arrangiert er, sorgt für Spaß am Gesang und überträgt seine Musikbegeisterung auf seine Sängerinnen und Sänger. Er sucht und findet auch immer wieder neue Ideen, um besonders die Jahreskonzerte seiner Chöre interessant zu gestalten.

Markus Ruckes faszinierte mit seinem Trompetenspiel
Zwei Solisten ergänzten das abwechslungsreiche Programm; der Trompeter Markus Ruckes, der an der Hochschule für darstellende Kunst in Frankfurt studiert, zeigte beim 2. Satz «Andante» des Trompetenkonzertes von Joseph Haydn eine ausgewogene Balance der Stimmführung und beim 2. Satz «Andante Religioso» des Trompetenkonzertes von Oskar Böhme eine gute intonatorische Feinabstimmung. Ausreichen Gelegenheit mit schnellen Läufen auf der Trompete seine technischen Fähigkeiten auf diesem Instrument in den Vordergrund zu stellen, hatte er mit den schnellen und zupackenden Klangattacken bei «Tico Tico» (Abreu Zequina) und «Bugler's Holiday» von Leroy Anderson.

Stimmgewaltig: Kirsten Schierbaum
Mit ausgesuchten Broadwaymelodien beeindruckte die Sopranistin Kirsten Schierbaum durch einen großen Nuancenreichtum bei der Interpretation von «Someone to watch over me» (George Gershwin) und «The Girls of Summer» von Stephen Sondheim. Am Flügel souverän begleitet von Dr. Georg Hilfrich zeigte die stimmgewaltige Sopranistin ein bewundernswertes Temperament, besonders bei «I hate men» (Cole Porter) und dem «Glitter and be gay» von Leonard Bernstein. Ungewohnt für die Ohren vieler Zuhörer war die Collage «Stripsody» von Cathy Berberian, die experimentierfreudig mit Klängen und der Imitation alltäglicher Geräusche, durchsetzt mit typischen Comic Dialogen, ein modernes Werk geschaffen hat, das Kirsten Schierbaum mit viel schauspielerischem Talent zu meisten wusste. Bei den Schlagern und Filmmusiken aus den 20er Jahren des Allroundtalentes Friedrich Hollaender gefiel die Sopranistin besonders mit dem überzeugend dargebotenen «Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre» aus dem Spielfilm «Stürme der Leidenschaft.

Der Gemischte Chor Liederkranz Oberselters zeigte bei den Chorsätzen «Cantemus» und «Weit, weit weg» von Lorenz Maierhofer einen harmonischen und ausgeglichenen Klangkörper, den sich dieser Chor in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. Da gelingen auch die treibenden rhythmischen Passagen bei «Yakanaka Vhangeri» mit gesanglicher Unterstützung des Chorleiters aber auch der unverwüstliche Presley-Song «Can't help falling in love» nach einem Arrangement von Ejvind Dengso und stimmsicher mit weiten Bögen das gefällige «Only you» (Soren Sigurd Barret). Auch bei dem gastgebenden Gesangverein Frohsinn Erbach legten Dr. Georg Hilfrich und seine Sänger besonderes Gewicht auf die Interpretation der oft eigenwilligen Sätze von Lorenz Maierhofer. So verlangten die «Fanfare a cappella» und gerade das «Du dab dah» viel Dynamik und exakte Einsätze. Zu einer Mischung aus tonaler Vielfalt und guter Artikulation wurde das «Jada - Heaven is wonderful place» (Sund-Koperski).

Viel Applaus gab es für «Mein kleiner grüner Kaktus» und «Wir haben ein Klavier», arrangiert von Dr. Georg Hilfrich aber auch bei «Männer» und «Ich hab´ das Fräulein Helen». Begleitet wurde der Chor von seinem Dirigenten am Flügel leichthändig mit pianistischen Groove und so hatten sich die Sänger den Applaus verdient, denn hinter der Leichtigkeit und dem Schwung der Darbietungen steckte sicher ein ganzes Jahr harter Arbeit. Gleichzeitig galt der Applaus allen Mitwirkenden, denen es gelungen war, Chormusik auf neuen Wegen darzubieten und zu finden. (von Dr. Rüdiger Fluck)

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