Brillantes Chorkonzert begeistert Publikum in der Erlenbachhalle

NNP, 18.09.2008

Bad Camberg-Erbach. Musikdirektor Georg Hilfrich ist Leiter des Gesangvereins "Frohsinn" 1848 Erbach/Taunus und des Männergesangvereins und Frauenchors "Liederkranz" Oberselters. Und immer, wenn Georg Hilfrich mit seinen Chören auftritt, gibt es für die Darbietungen nur drei Attribute: Lässig, elegant, raffiniert. So war es auch am Sonntagabend in der Erlenbachhalle in Bad Camberg-Erbach. Anlässlich seines 160-jährigen Bestehens hatte der Gesangverein "Frohsinn" zu einem weiteren Konzert in diesem Jahr eingeladen, einem wie sich bald herausstellte, Musikjuwel.

Der Abend begann mit so schönen deutschen Volksliedern wie "O du schöner Rosengarten" und "Wo die roten Rosen blühen", mit großem melodischen Atem und ausgesprochener Klangpracht vom Gesangverein "Frohsinn" vorgetragen.

Volkslieder tragen die Weisheit von Jahrhunderten in sich, doch sie sind davon bedroht, vergessen zu werden. Diese eher nachdenkliche Musik mit ihren romantisch-traurigen Stimmungen, dem "deutschen Blues", hat nichts zu tun mit den Gute-Laune-Trachten-Schlagern aus Scheune und Stadel. Umso höher sind die Chöre zu loben, die sich des deutschen Volksliedgutes annehmen.

Auch der Männergesangverein und Frauenchor "Liederkranz" Oberselters bescherte den Zuhörern hochqualifizierten Chorgesang. "Sah ein Knab ein Röslein stehn", Text von Johann Wolfgang von Goethe, ist wohl das berühmteste Lied von Franz Schubert. Seine Popularität verdankt es seiner Schwermut, und es wurde vom Chor nobel vorgetragen. Das bekannte "I can't help falling in love with you" vom unsterblichen Elvis Presley wurde warmgetönt und textverständlich gesungen und begeisterte die Zuhörer.

Dann folgte der Höhepunkt dieses Abends: Der russische Kinder- und Jugendchor des Rachmaninow-Konservatoriums aus Rostow am Don war eingeladen worden, auf dem Weg zu einem internationalen Wettbewerb in Arrezzo (Italien) dieses Konzert mitzugestalten. Der Chor steht unter der künstlerischen Leitung von Professor Sergej Tarakanow und wird unterstützt von der bildhübschen und temperamentvollen Elena Jankina, die in fließendem Deutsch auch durch das Programm des Chors führte.

Der Kinder- und Jugendchor begann mit sechs Stücken von Brahms, op. 44 Heft 1. Diese Lieder und Romanzen hat Brahms nach romantischen Volksliedtexten komponiert. Die jungen Sängerinnen und Sänger verfügen über eine erstaunliche Klangfülle und ein absolut klangsicheres Format, so dass sie es schafften, bei Brahms rührende Momente hervorzuzaubern.
Bei den folgenden sechs Stücken von Rachmaninow kam das großartige, umfangreiche und ausdrucksstarke Stimmpotenzial des Chors erst richtig zur Geltung. Mit hohem künstlerischen Einsatz stimmten die Kinder diese Lieder an, diszipliniert und konzentriert, ausgewogen in den Stimmlagen.

Es folgten russische Volkslieder die in glockenreinem Klang, sauberer Stimmführung und unter genauer Beachtung der Einsätze vorgestellt wurden. Auch die höchsten Töne wurden klar und scheinbar mühelos gesungen. Wohllaut pur war hier angesagt, und es scheint dem Chorleiter, Professor Tarakanow, zu gelingen, die Kinder für das, was sie singen, zu begeistern.

Seine Verbundenheit mit den hiesigen Chören zeigte auch das vom Kinder- und Jugendchor gesungene "Die beste Zeit im Jahr ist Mai" in der Bearbeitung von Georg Hilfrich. Der Kinder- und Jugendchor versteht es, die Zuhörer in den Bann ihres Gesangs zu ziehen. Mit stehendem Applaus wurde er verabschiedet. Es ist bei alle dem kein Wunder, dass der Chor beachtliche musikalische Erfolge vorzuweisen hat. Auf seiner Rückreise aus Italien ist der Kinder- und Jugendchor am Montag, 22. September, um 19 Uhr in der Hohenfeldklinik in Bad Camberg noch einmal zu hören. (von Vera Podlich)

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